Stolperstein für Hermann Keller

Stolperstein für Hermann Keller

Mahnung an eine dunkle deutsche Zeit
Seit vielen Jahren werden in Bergheim Stolpersteine verlegt. Sie erinnern in Städten und Gemeinden in Europa an Menschen, die Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung wurden. Diese Stolpersteine machen deutlich, dass hinter jedem Schicksal ein einzelner Mensch stand – mit einer eigenen Geschichte, einer eigenen Familie und einem eigenen Leben.
Am 11.06.2026 wurde ein solcher Stolperstein in Erinnerung an Hermann Keller unter großer Beteiligung vor dem Haus Hohe Straße 71 verlegt und in einer Schweigeminute dem Glessener Bürger gedacht.
Die stellvertretende Bürgermeisterin Elisabeth Hülsewig blickte auf das Leben von Hermann Keller zurück.
Er wurde am 23. März 1903 hier in Glessen geboren. Er arbeitete als Landarbeiter und wurde am 18. Januar 1941 als Grenadier in die Wehrmacht eingezogen. Im August 1943 wurde bei ihm erstmals Epilepsie dokumentiert. Was für uns heute eine medizinische Diagnose ist, bedeutete in der Zeit des Nationalsozialismus weit mehr als eine Erkrankung.
Menschen mit Epilepsie galten nach der menschenverachtenden Rassenideologie der Nationalsozialisten als „lebensunwert“ und wurden ausgegrenzt, entrechtet und verfolgt. Sie waren u. a. von Zwangssterilisationen bedroht und liefen Gefahr, Opfer der sogenannten „Euthanasie“-Verbrechen zu werden. Das nationalsozialistische Regime sprach ihnen ihre Würde und ihren Wert als Menschen ab.
Nach einem Aufenthalt im Lazarett in Marburg wurde Hermann Keller im September 1943 aus dem Heeresdienst entlassen. Kurz darauf wurde für ihn der Metzgermeister Johann Matzerath, bei dem er wiederangemeldet wurde, als Vormund bestellt.
Auch dies war Teil eines Systems der Entrechtung: Menschen mit bestimmten Diagnosen oder Behinderungen verloren häufig das Recht, selbst über ihr Leben zu bestimmen. Entscheidungen wurden ihnen entzogen, ihre Selbstständigkeit eingeschränkt und ihre Stimme zum Schweigen gebracht.
Am 17. November 1943 wurde Hermann Keller in die damalige Arbeitsanstalt Brauweiler eingewiesen. Einzelne Gebäude auf dem Gelände dienten in dieser Zeit als „Schutzhaftlager“ und Gestapo-Gefängnis. Zahlreiche Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter sowie Gegner des Regimes waren hier inhaftiert. Für viele Menschen bedeutete eine solche Einweisung den Beginn eines Leidenswegs, manche überlebten ihn nicht.
Die Verlegung des Stolpersteins für Herrmann Keller wurde von der Fördergemeinschaft Schöneres Glessen e.V. durch eine Spende finanziert.

 

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